Schonende Form- und Pflegeschnitte
Kronenpflege
Fehlentwicklungen in der Krone wird durch entfernen einzelner Äste im Fein- und Schwachastbereich (bis 5cm Astdurchmesser) vorgebeugt.
Es werden tote, absterbende, abgebrochene, kranke und reibende Äste entfernt. An Verkehrsflächen und Wegen wird der "Lichte Raum" hergestellt. Generell gehen wir auf alle Erfordernisse die durch das Umfeld (wie z.B. bauliche Einrichtungen) an den Baum gestellt werden ein, ohne den Habitus zu verändern bzw. zu starke Eingriffe vorzunehmen.
Isbesondere die Erfordernisse der Verkehrssicherheit können es notwendig machen, im Rahmen der Kronenpflege einzelne Äste ganz oder teilweise vorbeugend zu entfernen oder durch Auslichtung bzw. Einkürzung zu entlasten. Stark ausladende, kopflastige Kronenteile können z.b. durch eine Auslichtung im äußeren Bereich bereits stark entlastet werden.
Bei Bäumen mit deutlichen Anzeichen einer Vergreisung und einer sich entwickelnden Sekundärkrone im unteren Bereich werden die absterbenden Kronenteile im Fein- und Schwachastbereich eingekürzt. Die Neuaustriebe an der Kronenbasis sollten in diesem Fall nicht entfernt werden.
Bei einer reinen Totholzentfernung werden lediglich abgestorbene Kronenteile sowie abgebrochene Äste entfernt
Jungbaumpflege (Erziehungs- und Aufbauschnitt)
Der Jungbaum wird Schritt für Schritt an die vorgesehene spätere Funktion angepasst. Unter Berücksichtigung der art- und sortentypischen Wuchsform werden unerwünschte Entwicklungen frühzeitig korrigiert. Mit dem Leittrieb konkurrierende Seitenäste werden entfernt. Ebenfalls werden Schwachäste mit eingewachsener Rinde, die zu unerwünschten Entwicklungen führen entfernt. Zu dicht stehende Äste werden ausgelichtet. Das Lichtraumprofil an Verkehrswegen sollte möglichst frühzeitig hergestellt werden. Hierbei muss beachtet werden, dass bis zum Erreichen des vorgegebenen Lichtraumprofils die Stammhöhe nach jedem Schnitt 50 bis max. 60 Prozent der Gesamthöhe betragen muss.
Kroneneinkürzung / Einkürzung von Kronenteilen:
Die gesamte Krone oder Teile werden in ihrer Höhe und/oder
ihrer seitlichen Ausdehnung eingekürzt. Der Umfang richtet sich
nach den Anforderungen der Verkehrssicherheit, dem Zustand des
Baumes und/oder des Baumumfeldes.
Bei schlecht abschottenden Baumarten wie Birke oder Kastanie
sollten solche Eingriffe nur in geringstem Maße vorgenommen
werden. Bei einer Einkürzung ist stets auf Versorgungsast zu
schneiden. Die verbleibende Krone soll einen möglichst
arttypischen Habitus behalten bzw. wieder entwickeln
können.
Einkürzungen zählen zu den Sondermaßnahmen die nur in
Einzelfällen, z.B. aus Gründen der Verkehrssicherheit zulässig
sind.
Eine starke Reduktion des Kronenvolumens führt zu einer Unterversorgung der Wurzeln. Zudem steigt mit der Größe der Astungswunden auch die Gefahr der Fäuleentwicklung durch Schadpilze. Wird eine vitale Krone eingekürzt ist weiterhin mit verstärktem Neuaustrieb zu rechnen. Diese können in den Folgejahren erhöhten Kontroll- und Pflegeaufwand verursachen.
Alternativ zu einer Einkürzung bzw. als sinnvolle Kombination bei bruchgefährdeten Bäumen sollte der Einbau einer Kronensicherung in Betracht gezogen werden.
Nachbehandlung geschädigter oder vormals "gekappter" Bäume mit starkem Neuaustrieb:
Schlecht angebundene sowie zu dicht stehende Neuaustriebe müssen entsprechend eingekürzt und/oder vereinzelt werden. Bei Einkürzung ist stets auf Versorgungsast zu schneiden. Bei der Entfernung von Neuaustrieben muss der Schnitt oberhalb von ehemaligen Schnittwunden erfolgen. Das Ziel der Maßnahme ist eine allmählich entstehende Sekundärkrone mit möglichst arttypischem Habitus. Diese Nachbehandlung ist in der Regel alle 3-5 Jahre erforderlich.
Hintergrund:
Oft werden Bäume ohne Rücksicht auf Habitus und
physiologische Erfordernisse stark eingekürzt, bzw.
gekappt.
Dies ist eine baumzerstörende Maßnahme und
nicht fachgerecht. Natürlich kann es in Einzelfällen
aus Gründen der Verkehrssicherheit nötig sein Bäume in
einem ähnlichen Maße einzukürzen. Dieser umfangreiche
Eingriff im Grob- und Starkastbereich hat allerdings
eine Menge negativer Ausirkungen, die in den
Folgejahren auftreten:
Zum einen treibt der Baum an den Schnittwunden und anderen Stellen stark aus, da er versucht seine ursprüngliche Blattmasse wieder herzustellen. Diese „Reiterationen“ wachsen schnell und haben oftmals große Blätter, sind allerdings schlecht mit dem Stamm verwachsen und somit stark ausbruchgefährdet. Außerdem besteht an den großen Schnittstellen die Gefahr von Fäulnis. Der Baum benötigt somit eine umfangreiche Nachsorge, bei der die Neuaustriebe vereinzelt, bzw. eingekürzt und die Schnittstellen auf Fäulnis untersucht werden müssen. Man sollte sich also der Folgen bewusst sein, die durch eine Kappung entstehen. Der oft gewünschte Effekt (mehr Licht, weniger Pflegeaufwand) stellt sich zumindest nicht ein.
